Bautypen

Turmtrafos sind vielfältig und faszinierend!

Nachfolgend einige (Trafo)Gebäudeformen, welche die Entstehungsgeschichte des Trafoturms dokumentieren sollen.
 

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Madetswil

Bügeltrafo

Typisch beim Bügeltrafo ist wie der Name schon andeutet der Bügel, welcher auf dem Dach des Kleinturmes sitzt. Im Gegensatz zu anderen Trafobautypen wurden die Freileitungen nicht wie üblich an geeigneten Vorrichtungen seitwärts an der Fassade oder im Dachgibel sondern an einem über dem Dach befestigten Eisenbügel dem Transformator zugeführt. Die Technik des Bügeltrafos hat sich wohl aus ästhetischen wie sicherheitstechnischen Gründen nicht bewährt, weshalb er eine Seltenheit geblieben ist.

 

Beispiel:

Madetswil ZH

Waldwilli

Industrietrafo und Backsteintrafo

Der Industrietrafo hat eine grosszügige Grundform und gelangte oft mit einem Flachdach und Sichtbacksteinmauerwerk im Industriebaustil zur Ausführung. Insbesondere mit dem Backsteintrafo, dessen Mauerwerk ganz aus rotem und gelben Bachstein bestand und durchdachte Zierelemente aufwies, versuchte man sich einem ungewöhnlichen Stil, welcher wohl von der aufwendigern Klinkertechnik nördlicher Länder beeinflusst war.

 

Beispiele:

Wald ZH und Mümliswil SO

Embrach

Säulen-, Zylinder - oder Kabinentrafo

Der Säulentrafo kann nicht betreten werden und ist zur Bedienung von Ausserhalb ausgelegt. Sein Körper in Form einer Säule wurde oft aus Gusseisen gefertigt. Gerade in den dichtbesiedelten Gebieten war diese schlanke Form aus Platzmangel nötig geworden. Aus Erweiterung daraus entstand wohl der Zylinder- oder Kabinentrafo, welcher zum Teil bereits Platz für das Personal zur Bedienung der Anlagen im Unterbau bot.

Sowohl der Säulen-, Zylinder oder Kabinentrafo waren in den Städten vorallem aufgrund ihrer geringen Grösse sehr beliebt.

 

Beispiel:

Basel BS; Münchenstein BL, Wangen ZH, Embrach ZH

Beschreibung und Trafoskizzen: Stephan Ruch 2014 (letzte Änderung 26.11.2017)

 

Textquellen:

Yvonne Scheiwiller, Buch Trafoturm - Turmtrafo 2013

Walter Wyssling; Die Entwicklung der Schweizerischen Elektrizitätswerke und ihre Bestandteile

industriekultur.ch

 

Regionale Bautypen

Neben den vorgenannten Grundbautypen haben viele der regionalen Schweizer Energieunternehmen ihre eigenen, charakteristischen Bautypen, anhand welcher sich durchaus eine örtliche Standortbestimmung vornehmen lässt. Entweder wurde die Gestaltung der Turmtrafos durch die Energiegesellschaften einem externen Architekturbüro übertragen, von eigenen Architekten selbst ausgeführt oder kam wie am Beispiel der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich zeigt, durch die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs zustande.

 

Nachfolgend einige interessante Beispiele:

 

Villeret
Meggenhintermeggen

CKW Trafos

Typisch bei vielen CKW (Centralschweizerische Kraftwerke AG) Turmtrafos in der Zentralschweiz sind die gesprossten Eckpfeiler und das oftmals geschweifte Satteldach mit Klebedachspickeln. Die Giebelfelder weisen viefach eine Verzierung auf.

 

Beispiel: Ebikon LU

Niedergoesgenfilzfabrik

ATEL Trafo

Die Eigenheit bei vielen zeittypischen Turmtrafos der früheren ATEL (Aare Tessin AG für Elektrizität) im Bezirk Gösgen des Kantons Solothurn sind der via Balkon und Aussenleiter erschlossene Hochzugang.

 

Beispiel: Niedergösgen SO

 

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AEW Trafo (II)

Die hauptsächlich in den südlichen Aargauer Bezirken bekannte Trafostation besitzt eine spezielle Dachkonstruktion, eine Kombination von Schopfwalm- und Klebedach. Diese Stromhäuser wurden wohl ab 1915 bis in die Neunzehndreissiger Jahre eingesetzt. Charakteristisch sind die markanten Ecklisenen, der Zierkranz und das oftmals abgewalmte Schutzdach über dem ebenerdigen Zugang.

 

Beispiel: Schafisheim AG

Thurgauer Trafos

Charakteristisch bei vielen im Kanton Thurgau verbreiteten Trafos sind die spiegelbildlichen Fassaden sowie die typischen querliegenden Fensterbänder und ebenerdigen Durchgangstore. Die beschriebenen Merkmale wurden bei Turmtrafos im Kanton Thurgau über Jahrzehnte eingesetzt.

 

Beispiel: Weinfelden TG

EWO Trafo

Dieser Trafobautyp der EWO (Elektrizitätswerk Obwalden) im Kanton Obwalden hat seinen Ursprung in den Neunzehndreissigerjahren. Typisch ist die schlanke Turmform mit der oftmals asymmetrischen Anordnung von Fensterband und Zugangstüre in der Hauptfassade.

 

Beispiel: Giswil OW

Hittnau

Flaschentrafo

Sein Name nimmt es vorneweg: Die Grundform des Flaschentrafos mit seinem helmartigen Dach hat die Form einer Flasche. Er kann wohl grundsätzlich als Weiterentwicklung des Kabinentrafos bezeichnet werden und bot im Gegensatz zu diesem in seinem bereits gemauerten und teils mehrstöckigen Gebäude mehr Platz für die Einrichtungen und das Bedienpersonal. Flaschentrafos sind heute noch im  Kanton Zürich, im Bezirk Gäu des Kantons Solothurn und in Montreux bekannt.

 

Beispiele:

Kappel SO, Hittnau ZH, Montreux VD

Tramelanlesreussilles

Moderner Trafo

Der moderne Trafoturm ist zweckmässig und dementsprechend in der Gestaltung schlicht gehalten. Auf aufwendige Zierelemente, spezielle Anstriche oder Sonderdetails wie Fensterimitationen wurde gänzlich verzichtet.

 

Beispiel:

Tramelan BE

Leimbach

AEW Trafo (I)

Der nostalgisch anmutende Trafoturm der AEW (ehemals Aargauische Elektrizitätswerk) ist in Wirklichkeit relativ modern. Die Urform stammt wohl aus der Zeit um 1925 und wurde bis Mitte der Neunzehnvierziger Jahre im Kanton Aargau erfolgreich eingesetzt. Charakteristisch sind insbesondere die Sichtbogentüre und die aus Quadersteinen geschichteten Gebäudeecken.

 

Beispiel: Hallwil AG

AEW Trafo (III)

Der modernere Trafotyp wurde vermutlich ab den Neunzehnvierzigerjahren im Kanton Aargau realisiert. Auf den Einsatz von Zierelementen wurde vollständig verzichtet. Typisch sind das flache Satteldach und die querliegenden Fensterbänder, welche asymmetrisch in den Fassaden angeordnet sind.

 

Beispiel: Nesselnbach AG

BEO Trafo

Die regional- und zeittypischen BEO („Berner Oberland“) Trafos der BWK, bzw. lokalen Energiegesellschaften im Berner Oberland stammen wohl aus der Zeit ab 1910. Charakteristisch sind die markanten Eckquader und Umrahmungen, die Zwillingsfenster sowie teils die Brettapplikationen.

 

Beispiel: Wilderswil BE

Zollikofenlandgrabenstrasse

BKW Trafo (I)

Die erweiterte Trafogeneration der BKW (ehemals Bernische Kraftwerke AG) wurde vermutlich ab Mitte der Neunzehndreissigerjahre, hauptsächlich in der Region Bern und im Mittelland, realisiert. Charakteristisch bei diesem zierlosen Bautyp sind die hochstehenden, gesprossten Fensterbänder, oftmals in Kombination mit den hochrechteckigen Mauervertiefungen.

 

Beispiel: Rüfenacht BE

Adetswil

EKZ Trafos (Typ B26)

Viele Trafostationen der EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) sind mit Nummern und Zahlen typisiert oder gingen aus einem Architekturwettbewerb hervor. So auch die Flaschentrafos B6 und B26. Letzerer ist im Gegensatz zum einfacheren Bautyp B6 aufwändiger gestaltet und besitzt ein Obergeschoss mit Bedienraum. Ab dem Jahr 1910 wurden 29 Exemplare erstellt, wovon einige im Einzugsgebiet der EKZ noch erhalten sind.

 

Beispiel: Gossau ZH

FMB Trafo

Die mächtigen Trafo-Tourelle der FBM (Forces Motrices Bernoises SA; ehemals Bernische Kraftwerke AG) haben detailreiche Steinverzierungen und meist den typischen Quadersteinsockel sowie das weit hochgezogene Pyramidendach. Sie sind im Berner Jura regionaltypisch.

 

Beispiel: Cortébert BE